Freud und die Psychoanalyse in Chicago
Sigmund Freud und das Chicago Institute für Psychoanalysis

Psychoanalyse, Sigmund Freuds Erbe (1856 - 1939), hat die moderne Welt nachhaltig beeinflusst. Wie der nachstehende kurze Abriss der Geschichte des Chicago “Institute for Psychoanalysis” zeigt, reichte dieser Einfluss auch nach Chicago: Die Chicagoer Ärzteschaft kam erstmals im Jahr 1911 durch einen Vortrag von Ernest Jones, einem frühen Schüler Sigmund Freuds, mit der Psychoanalyse in Berührung. Die Reaktionen auf diesen Vortrag waren gemischt und so dauerte es weitere 22 Jahre, bis 1932 das Chicago “Institute for Psychoanalysis” gegründet wurde. Gründungsvater des Instituts war der Berliner Franz Alexander. Auch er war ein Schüler Freuds - in den Archiven des Instituts befindet sich eine

Postkarte, in der Freud von Alexander als seinem besten Schüler spricht. Eine der ersten Entscheidungen, die Alexander als Direktor traf, war die Bestellung von Karen Horney, auch sie aus Berlin, zur Vizedirektorin des Instituts. Dr. Horney war die erste in einer herausragenden Reihe von einflussreichen weiblichen Lehrerinnen und Forscherinnen, die am Institut tätig waren und sind. Eine der bemerkenswertesten darunter war Therese Benedek, die 1936 aus Leipzig nach Chicago kam und zu einer der führenden Forscherinnen über weibliche Psychologie wurde. Der Exilösterreicher Gerhart Piers, der zweite Direktor, brachte das Institut in engere Verbindung mit der Chicagoer Gemeinde. Unter seiner Führung wurden Programme für Kindertherapie, Therapie von Jugendlichen und Lehrerausbildung entwickelt. Piers Nachfolger George H. Pollock machte den mutigen, experimentellen Vorschlag, eine kleine Gruppe von Analytikern ohne medizinische Vorbildung auszubilden. Dieser Vorschlag, bekannt als “Chicagoer Programm” wurde abgelehnt, erwies sich jedoch als zukunftsweisend, denn in späteren Jahren wurden Analytiker, die keine Ärzte sind, zu einem wichtigen Teil der psychoanalytischen Gemeinschaft. Während Pollocks Amtszeit gründete das Institut das Barr-Harris Zentrum für Kinder, die Todesfälle bewältigen müssen. Ferner wurde mit der Herausgabe der “Annalen der Psychoanalyse”, einer der vorrangigen Publikationen für psychoanalytischen Diskurs und Forschung, begonnen. Im Jahr 1996 übersiedelte das Institut in seine heutigen Räumlichkeiten in Daniel Burnhams historischem Bau an der Ecke von Michigan Avenue und Adams Street im Stadtzentrum Chicagos. Damit wurde das Institut im kulturellen Zentrum der Stadt angesiedelt. Nach den Direktoren Arnold Goldberg und Thomas Pappadis wurde Jerome Winer zum Leiter des Instituts bestellt. Er setzt die Tradition der verstärkten Einbindung der Chicagoer Gemeinde fort. Gleichzeitig bemüht er sich um eine Verstärkung freudianischer Psychoanalyse, der Basis des Instituts - diese Basis kann ihre Wurzeln in Chicago auf mehrere deutschsprachige Pioniere auf dem Gebiet der Psychoanalyse zurückverfolgen.

Websites:
http://www.chicagoanalysis.org/
Freud Museum London
Sigmund Freud Museum Vienna

(Author: Jerome Kavka, M.D., Archivist at
the Chicago Institute for Psychoanalysis)